Mein Favorit sind die gepuderten Berge, gescheckt, nicht angestrichen, und den Flaum an Bäumen, der wie grüne Wölkchen am Hang hängt und mich in Erinnerung an die Modeleisenbahnlandschaft meines Großvaters zurückdenken lässt. Dann taucht ein trübes Wasser zwischen Berg und Wolken auf und ich erinnere mich an den See, den ich auf Karten gesehen und an dem ich heute liegen werde, in der grauen Sonne in den Bergen, in einer Stadt, die ich mir nicht leisten kann und die sich doch zu mir neigt, einem Ort, an dem ich im Boss Anzug herumkraxel und 'Bonjour' und 'Ca Va' nuschel und mir schüchtern mit YouTube und Apps mein Französisch auffrische, um im Endeffekt wieder keinen Satz zustande zu bringen, sondern mich nur höflich lächelnd aus allen Situationen herauszuwinden versuche. Und hier oben ist es blitzblank blau und die Schweizer flagge sticht mir die sonne entgegen, bis die Vision zermürbt wird von Kondensation, Präzipitation, wackeln und lauschen für das Kichern der Kotflügel, das Rattern des uns umgebenden Schaums, aus dem wir ins Grüne tauchen und nervös auf dem Asphalt aufsetzen. Ich sollte schreiben, denk ich mir immer wieder. Ich sollte mir vornehmen, Zeit nehmen, mich zu ordnen, zu schreiben, aber das Leben kann dafür nicht anhalten, sonst bin ich wenigstens so benebelt wie die Aussicht und eingebildet wie das zerkratzte Doppelglas des ovalen Fensters, und habe nichts vorzuzeigen, nichts, um mich abzufangen, und ich weiß, ich kann es noch weiter bilden, hinauszögern, notieren, und bald werd ich den Moment abfangen, wenn alles innehalten kann und ich wieder bei mir lande. Noch immer versucht die Mücke, die wir aus Zürich mitgebracht haben, durch meine Scheibe hindurch zu entkommen. Kraxelt unaufhörlich hinauf, rattert mit der Maschine, versucht es zwei Zentimeter weiter rechts und links, bringt es immer bis an die Spitze, wo die Jalousie anfängt und rutscht flatternd, sich überschlagend am Plastik hinunter, fängt wieder von vorne an. Krabbelt in alle Ecken und muss in ihrer Panik übersehen haben, dass es noch andere Fenster gibt, die ebenso verschlossen sind, und dass sie woanders ist, und womöglich sogar wieder heimfliegt ohne zu merken jemals gegangen zu sein, stets gegen die Scheibe ankämpfend, stets abfallend. Ob ich sie mit nach draußen nehmen soll, denke ich, in einer Faust geballt einen Hohlraum bilden und die Mücke aus dem Flugzeug schmuggeln, sie erlösen, bevor sie im Blech verreckt. Doch hab ich zu viel angst, sie im Akt zu zerquetschen, drum überlass ich sie ihrem Sisyphus Dasein. Ob ich jemanden darauf hinweisen sollte? Das die Mücke dort saß? Mit jemandem darüber sprechen? Würden sie mich nur entgeistert anstarren, bis ich darauf hingewiesen werde, dass ich Französisch sprechen müsse.